Günter Eich. Původní rozhlasová hra. Režie Heinz von Cramer.
Osoby a obsazení: mužský hlas (Franz Kutschera), Titus (Konstantin Paloff), Alpha (Maria Häussler) a další.
Nastudoval NDR/BR v roce 1964.
Text in: Eich, Günther: Man bittet zu läuten: Hörspiel. NDR-Hörspielabt., 1974, 104 s.
Pozn.: Man bittet zu läuten ist ein Hörspiel von Günter Eich, das am 15. November 1964 vom NDR und BR unter der Regie von Heinz von Cramer gesendet wurde. Der Titel findet sich auf einer viersprachigen Inschrift am protestantischen Friedhof in Rom: „Suonare la campana…“
Noch fünf Jahre nach seiner Ursendung 1964 galt dieses Hörspiel als nicht völlig verständlich und aufschlüsselbar. „Suonare la campana“, „man bittet zu läuten“, heißt es auf einer Tafel am protestantischen Friedhof von Rom, letzte Ruhestätte u.a. von Goethes Sohn August, Keats und Shelley. Der Titel des Hörspiels zitiert bewußt jene Inschrift. Eich hat sie dem Stück auch als Motto vorangestellt. Die Bedeutung dieses Läutens ist so vielschichtig wie alle anderen akustischen Signale in diesem Spiel. Nicht zuletzt meint es auch einen Läuterungsprozeß, allerdings negativer Art, den die Hauptfigur, der Pförtner des Taubstummenheims „Hubertus“, in Eichs Hörspiel absolviert.
Zwar benutzt Eich noch szenische Mittel einer psychologisch motivierten Handlungsführung, konzentriert sich andererseits aber so sehr auf das innersprachliche Beziehungsgeflecht von Wörtern und Begriffen, dass man es hier kaum mehr mit einem Funkdrama herkömmlicher Art zu tun hat. Der Reiz, das Stück neu zu inszenieren, ergab sich für den Regisseur Heinz Hostnig aus der Möglichkeit, mit sprachspielerischen Erfahrungen an das Stück heranzugehen und ihm dadurch zu einem besseren Verständnis zu verhelfen. (anotace)
Lit.: Koch, Willi A.: {Man bittet zu läuten}. In Die Zeit, 15. 11. 1964 (recenze). – Cit.: Ich hab’ was gegen alle – diese Beteuerung eines senilen Menschenfeindes in dem neuen Günter-Eich-Hörspiel „Man bittet zu läuten“ (Gemeinschaftsproduktion des Norddeutschen mit dem Bayerischen Rundfunk) trägt das Motiv des Stücks in sich.
An einem Taubstummenheim kann nur zum Grimm für den Pförtner geläutet werden. Der knurrt wie ein gestriegelter Höllenhund jeden an, der nach Zapfenstreich noch Einlaß begehrt. Mit ausgeklügelter Pervertiertheit (stand Eichmann Modell?) geht er mit erotischen, finanziellen und sonstigen Schalthebeln um, bosselt in der Phantasie an der Wiedereinführung der Guillotine und aalt sich – Exempel der Gespaltenheit – als Vorsitzender des „Vereins der Pilzfreunde e. V.“ in einem Sonnenbad unter dem Strahlenpilz (von Hiroshima).
Diesmal sind nicht „Botschaften des Regens“, sondern „der Pilze“ Eichs Chiffren für leeren Funktionalismus (in der Vereinsgroteske), für ins Skurrile verschobene Erinnerungen (in dem makabren Quartett der uralten Pilzfeinde, mit eingeblendeten Barockchorälen) und für das Duo der Pilzsporen mit seiner entzückenden Prägnanz kreatürlicher Spiegelungen. Das Leitmotiv weist auf ein unausgeschöpftes Eichsches Reservoir phantastischer Beispielhandlungen hin.
Das Hörspiel lag bereits gedruckt vor, ehe es urgesendet wurde; darauf sei mit Fug hingewiesen, denn beim Hören überstürzt sich die kurzschrifthafte Diktion sogar für das willfährige Ohr des Dritten-Programm-Hörers. Sinnmöglichkeiten dämmerten erst auf dank der dynamischen, wandlungsfähigen Schattierungskunst Franz Kutscheras in dem dämonischen Pseudomonolog, gegen den der Regisseur Heinz von Cramer das in rosige Dekadenz gehüllte „Intermezzo“ setzte.

