Panáček v říši mluveného slova stránky přátel rozhlasových her a mluveného slova vůbec

2. 2. 2010

Träume (Sny, 1951, 2007)

Günther Eich. Původní rozhlasová hra. Hudba Siegfried Franz. Režie Fritz Schröder-Jahn.

Osoby a obsazení: vypravěči (Erich Schellow, Anegret Lerche), stařec [1. sen] (Eduard Marks), stařena  [1. sen] (Lotte Klein), vnuk  [1. sen] (Wolfgang Rottsieper), žena  [1. sen] (Jo Wegener), muž  [2. sen] (Max Walter Sieg), žena [2. sen] (Louise Dorsay), muž  [2. sen] (Helmut Gmelin), dáma [2. sen] (Inge Schmidt), otec  [3. sen] (Herbert A. E. Böhme), matka  [3. sen] (Marie Janke), sousedka [3. sen] (Inge Meysel), starosta [3. sen] (Helmut Peine), hlas [3. sen] (Hermann Kner), Peter [4. sen] (Gerd Martienzen), Michael [4. sen] (Richard Munch),  kuchař [4. sen] (Heinz Suchantke), negr  [4. sen] (Josef Dahmen), matka [5. sen] (Mirjam Horwitz-Ziegel), dcera [5. sen] (Dagmar Altrichter), Bill [5. sen] (Dietrich Haugk), profesor [5. sen] (Wilhelm Kürten), hlasatel [5. sen] (Hans Joachim Richter). Dále účinkují Günther Dockerill, Karin Lunau, Dieter Doderlem, Heinz Piper, Cay Dietrich Voss a Georg Eilert.

Nastudoval Norwestdeutschen Rundfunk v roce  1951. Premiéra 19. 4. 1951 (NWDR).

Vydal Hoerverlag DHV v roce 2007 (společně na 3 CD s verzí z roku 2006).

Pozn.: Hra vyvolala při premiéře bouře násilností. Více zde.

Pozn. 2: Es ist eines der bedeutendsten Stücke der Hörspielgeschichte. Als Günter Eichs Hörspiel ‚Träume‘ am 19.04.1951 erstmals gesendet wurde – man startete etwas später als gewöhnlich, „weil man die Kinder schon in den Betten wissen“ wollte – ahnten die Verantwortlichen vom NORDWESTDEUTSCHEN RUNDFUNK schon, was auf sie zukommen würde. Ein Teil des Publikums zeigte sich irritiert, entrüstet und empört. Die Telefone liefen heiß, Protestschreiben kamen waschkorbweise. Heute mag die Heftigkeit der Reaktionen erstaunen. Hatte doch Günter Eich, der erfolgreichste Hörspielautor der 1950er und 60er Jahre, nichts anderes gemacht, als fünf Albträume wiederzugeben. Böse Albträume allerdings, die sich – die Wunden des Krieges waren längst noch nicht verheilt – an der Stimmung des Wiederaufbaus, des Vergessens und Verdrängens schmerzhaft brachen.

1. Traum: (1. – 2.8.1948, Schlossermeister Wilhelm Schulz, Rügenwalde, Hinterpommern)
Eine Familie aus Uralten, Alten und Kindern fährt, offenbar schon seit Jahrzehnten, im dunklen Güterwagen durch eine Welt, ‚die es nicht gibt‘, da sie der Erinnerung der Eingeschlossenen längst entschwunden ist.
2. Traum: (5.11.1949, Tochter des Reishändlers Li-Ven-Tshu in Tianzien)
In China verkaufen arme Eltern ihr sechsjähriges Söhnchen an einen reichen Greis, dem das Blut des Kindes sein Leben verlängern soll.
3. Traum: (27.4.1950, Automechaniker Lewis Stone, Freetown, Queensland, Australien)
In einer australischen Siedlung erwarten die Einwohner in Todesangst ‚den Feind‘. Das Haus, in das er einzieht, wird von ihm mit allem Inhalt in Besitz genommen.
4. Traum: (29.12.1947, Kartenzeichner Iwan Iwanowitsch Borislawski, Moskau)
Zwei Forscher im afrikanischen Busch verlieren nach einem köstlichen Essen Gedächtnis und Sprache.
5. Traum: (31.8.1950, Lucy Harrison, New York)
Termiten benagen in unersättlicher Freßgier alles, höhlen jedes Ding und jeden Körper unbemerkt von innen her aus. Das geschieht drei Menschen in ihrer Wolkenkratzerwohnung in New York.

Mädchen aus Viterbo (Děvčata z Viterba, 1954)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 15:35

Günther Eich. Další tvůrci a interpreti nezjištěni.

Nastudoval RWR (Rot-Weiß-Rot) Studio Salzburg v roce 1954.

Lit.: Eich, Günther: Das Mädchen aus Viterbo. Stuttgart: Reclam, 2006 (?) (text hry).

Pozn.: Günter Eichs „Die Mädchen aus Viterbo“ ist eines der unvergänglichen Hörspiele der fünfziger Jahre. Eine in einer Berliner Wohnung versteckte siebzehnjährige Jüdin und ihr Großvater phantasieren sich in die Illustriertenstory von einer in den römischen Katakomben verirrten Mädchenschulklasse hinein, um sich ihrer selbst, ihrer gefährdeten Situation und ihrer Existenz gegenüber Gott bewusst zu werden: Menschen, die gefangen sind. »Dass alles Geschriebene sich der Theologie nähert«, hatte Eich gefordert – dieser Text löst die Forderung ein. (anotace)

Alternativní název: Dívky z Viterba.

Mädchen aus Viterbo (Děvčata z Viterba, 1953)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 15:34

Günther Eich. Další tvůrci a interpreti nezjištěni.

Nastudoval NWDR v roce 1953.

Lit.: Eich, Günther: Das Mädchen aus Viterbo. Stuttgart: Reclam, 2006 (?) (text hry).

Pozn.: Günter Eichs „Die Mädchen aus Viterbo“ ist eines der unvergänglichen Hörspiele der fünfziger Jahre. Eine in einer Berliner Wohnung versteckte siebzehnjährige Jüdin und ihr Großvater phantasieren sich in die Illustriertenstory von einer in den römischen Katakomben verirrten Mädchenschulklasse hinein, um sich ihrer selbst, ihrer gefährdeten Situation und ihrer Existenz gegenüber Gott bewusst zu werden: Menschen, die gefangen sind. »Dass alles Geschriebene sich der Theologie nähert«, hatte Eich gefordert – dieser Text löst die Forderung ein. (anotace)

Alternativní název: Dívky z Viterba.

Von Gastgebern und Gästen (O hostitelích a hostech, 1971)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 15:21

Luca Lombardi a Hans-Günther Dicks.

Nastudoval WDR v roce 1971 (61 min.).

Pozn.: O-Ton Hörspiel ‚Von Gastgebern und Gästen‘ handelt von ausländischen Arbeitern in der BRD und ihrem Verhält-nis zur Bevölkerung. Es zeigt offene Vorurteile und unbewusste Voreingenommenheiten den Gastarbeitern gegenüber. Es zeigt die Schwierigkeiten der ausländischen Arbeiter sowie ihre Vor-stellungen für die Lösung ihrer Probleme. Es versteht ihre Lage als Teil der allgemeinen Lage der internationalen Arbeiterklasse.
Das akustische Material besteht aus Originalaufnahmen von Äußerungen deutscher und ausländischer Mitbürger.
‚Von Gastgebern und Gästen‘ ist keine Reportage. Es ist keine Dokumentation über die Probleme der Arbeitsemigration mit Anspruch auf empirisch-soziologische Relevanz. Es befasst sich nicht mit der Darstellung von Einzelschicksalen, es ist kein narratives Hörspiel.
‚Von Gastgebern und Gästen‘ ist (auch) ein Sprach(en)spiel. Es ist kein Sprechspiel.
Akustisches ist nicht autonom. Die Komposition akzentuiert das Material inhaltlich, belässt ihm aber seine Authentizität.
(Lombardi/Dicks) (more…)

Der Meinungscontainer (Kontejner názorů, 1982)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 15:16

Jürgen Geers. Rozhlasový experiment, natočený s občany Kassleru při příležitosti Documenta „82. Záznam a střih Waltraud Rasche. Režie Jürgen Geers.

Natočeno 13. – 15.12.1982. Premiéra 16.12.1982 (NDR/SFB-Feature, 89 min., stereo).

Pozn.: „Dreißig Tage stand in der Kasseler Fußgängerzone ein barackenähnlicher, fast fensterloser Kasten. Wer ihn, durch entsprechende Aufschriften ermuntert, betrat, konnte im Innenraum hinter den stoffbespannten Wänden recht unterschiedliche Stimmen vernehmen: Äußerungen nämlich, die zuvor von anderen Besuchern des ‚Meinungscontainers‘ in einer ebenfalls dort aufgestellten ‚Sprechkabine‘ getan, auf Band aufgezeichnet, dem neu hinzugekommenen Publikum über sechs Lautsprecher zugänglich gemacht wurden. Wer Lust hatte, konnte also dem Gehörten ganz anonym seinen eigenen Beitrag hinzufügen. So entstand allmählich eine akustische Pinwand, verbale Graffiti unterschiedlichsten Inhalts, die wahllos und gänzlich unzensiert auf alle einredeten, die diese ‚Meinungsausstellung‘ besuchten. Es entstand kein Programm. Dafür eine vielfältige und sonderbare Mischung aus kurzen Statements und langen Volksreden, aus aggressiven Äußerungen und traurigen Sätzen, aus Blödeleien, Sprachspielen, Gedichten, Liedern, Obszönitäten, Appellen, Predigten, kurz: ein echter ‚Privatfunk‘ ohne Hierarchie der Werte und Personen, ein medialer Urzustand, chaotisch, aber frei von Pression. Es war ein manchmal ermutigendes Experiment mit der vielbeschworenen Meinungsfreiheit, die so selten verspürt wird.“ (Jürgen Geers)

Rosie (1969)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 15:12

Richard Hey. Rozhlasový spektákl v úpravě pro hlasy, hudbu a telefonující hlas. Režie Richard Hey.

Osoby a obsazení: první hlas (Gert Westphal), druhý hlas (Otto Zcarski), třetí hlas (Andrea Grosske), čtvrtý hlas (Georg Tryphon), pátý hlas (Veronika Faber) a hudební skupina „Insterburg & Co.“.

Nastudoval RB/SWF v roce 1969 (90 min.).

Pozn.: Der Präsident eines Automobilkonzerns beauftragt seinen Computer, der ihm den Verwaltungsapparat ersetzt, die Vorbereitungen für die Einführung eines neuen Autos zu treffen, das auf den Namen seiner Tochter Rosie getauft werden soll. Seine uneingeschränkte Herrschaft als Konzernboß ist jedoch durch Eduard, einen jungen Außenseiter, der sich niemandem unterordnen will, bedroht.
Zu dieser Grundsituation sind mehrere Varianten produziert worden:
a) Eduard bedroht den Präsidenten aufgrund einer nicht genannten Auseinandersetzung telefonisch.
b) Eduard protestiert als Küchenjunge gegen die Ordnung in der Werkskantine und prügelt sich mit dem Küchenchef.
c) Eduard geht den Weg, wie viele Küchenbedienstete zuvor, durch das Bett der gelangweilten, sexgeladenen Frau des Präsidenten.
d) Eduard versteckt sich aufgrund von b) in dem neuen Auto, defloriert Rosie und zerstört den Wagen.
Zu jeder Variante gibt es Konfrontationsfolgen Eduard/Präsident mit verschiedenen Schlussszenen. Der Hörer hat telefonisch während der Sendung des Hörspiels die Möglichkeit über einen Moderator zur jeweiligen Situation seine Meinung zu äußern und den Moderator zur Wahl einer bestimmten Variante oder eines bestimmten Schlusses zu bewegen. Der Moderator kann wiederum Varianten zur Auswahl stellen, Hörermeinungen life oder aufgezeichnet mit einbeziehen, mit dem an der Sendung beteiligten Team über den Stand und über die Hörer diskutieren und mittels vorproduzierter Zwischenmusiken auflockern oder provozieren.
Das Hörspiel ist der Versuch, den Hörer zu bewegen, seine Konsumhaltung aufzugeben und an dem Produktionsprozess des Hörspiels teilzunehmen.

Geh“ nicht nach El Kuwehd (Nechoď do El Kuwehd, 1954)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 15:09

Günter Eich. Původní rozhlasová hra. Režie Karl Peter Biltz.

Osoby a obsazení: Mohallab, obchodník (Heinz Klevenow), Welid, jeho sluha (Max Walter Sieg), Jezid, žebrák (Kurt Ebbinghaus), služebná (Alice Verden), Omar, lupič (Heinz Klingenberg), Trug, jeho sestra (Irmgard Först), Saad, parský princ (Eduard Marks), Schirin, jeho žena (Agnes Fink), Okba, kat (Arthur Mentz), hlas (Klaus Freidrich).

Nastudoval Südwestfunk v roce 1954 (66 min.).

Alternativní verze názvu: Geh nicht nach El Kuwehd!

Pozn.: Als Günter Eichs erstes Hörspiel „Geh‘ nicht nach EI Kuwehd“ 1950 urgesendet wurde, vermeinten die Kritiker und Eich-Kenner den ‚mythischen Schauer des Schicksals‘ verspürt zu haben. Das Hörspiel vom reichen Kaufmann Mohallab, der im Traum sein Vermögen, seine Geliebte und sein Leben verliert und sich, nach seinem Erwachen, in die Realität dieses Traumes begibt, deuteten sie als Eichs Botschaft von der Hilflosigkeit des Menschen gegenüber einem übermächtigen, unabwendbaren Schicksal. In den Zeiten der allgemeinen Tabuisierung der jüngsten Vergangenheit und, wie sich heute zeigt, verhängnisvollen Realität ist diese Interpretation Ausdruck ihrer Zeit. Aber sie ist falsch. Günter Eich hat sich in allen seinen Werken für den aktiven Widerstand gegen die Mächtigen, gegen den Schlaf der Gerechten, gegen die scheinbare (weil bequeme?) Ohnmacht der Machtlosen ausgesprochen. Wenn der Kaufmann Mohallab am Schluss des Hörspiels sagt: „Ich gehe“, unterwirft er sich nicht dem, irgendeinem Schicksal, sondern fordert es heraus, um sich als Mensch beweisen zu können.

„Als die eigentliche Sprache erscheint mir die, in der das Wort und das Ding zusammenfallen. Aus dieser Sprache, die sich rings um uns befindet, zugleich aber nicht vorhanden ist, gilt es zu übersetzen. Wir Übersetzen, ohne den Urtext zu haben. Die gelungenste Übersetzung kommt ihm am nächsten und erreicht den höchsten Grad von Wirklichkeit.“ Dieser ‚höchste Grad von Wirklichkeit‘ , den Günter Eich als das Ziel schriftstellerischer Betätigung ansieht, ist ein Charakteristikum seiner Werke. Freilich handelt es sich nicht um eine Wirklichkeit, die die Umwelt nur widerspiegelt, sondern um die Darstellung einer von ,Raum und Zeit unabhängigen Welt, in der der Traum ebenso real ist wie die Wirklichkeit.
Für viele seiner Hörspiele wählte Eich den Orient als Schauplatz; so auch für „Geh nicht nach EI Kuwehd“ (entstanden 1954), ein legendenhaftes Hörspiel, in dem für den Kaufmann Mohallab Wirklichkeit Traum und Traum Wirklichkeit wird.

Der Tiger Jussuf (Tygr Jussuf, 1952, 2002)

Günter Eich. Hudba Siegfried Franz. Zvuk Peter Gavin. Střih Ingrid Droesel. Asistent režieWilly Lauster. Režie Kurt Reiss.jsuf

Osoby a obsazení: Tiger Jussuf (Siegfried Wischnewski), krasojezdkyně Anita (Gisela Trowe), krotitel William (Wolfgang Wahl), pekař R. Matthisson (Max Walter Sieg), Paula, jeho žena (Inge Schmidt), komerční rada Rimböck (Helmuth Peine), Ottilie, jeho žena (Martina Otto), Maximillan, jejich syn (Gerd Martienzen), klaun Cortes (Herbert A.E. Böhme), hlasy (Heinrich Ockel, Herbert Asmis, Hermann Beyer, Max Zawislak, Heinz Roggenkamp, Paul Trautmann, Hans Sepp Schaller, Joachim Unmack, Irene Norden, Marlon Böger, Marion Molitor. Gisela Pelz, Susanne Lyncker, Martha Römer, Imme Froh, Marion Böttcher).

Natočeno v NDR v roce 1952. Premiéra 15. 8. 1952 (NWDR, 72 min.). Vydal NOANOA Hörbuchedition und Theaterverlag 1. 9. 2002 (1 CD). K poslechu zde.

Pozn.: Im Jahr 1955 erhielt Günter Eich für sein „Verwandlungsstück“ den Karl-Sczuka-Preis.

Der Tiger Jussuf ist ein Hörspiel von Günter Eich, das in zwei Versionen aus den Jahren 1952 und 1962 existiert.
Die Zweitfassung sei seltener gesendet worden. Die häufigen Gestaltumwandlungen der Figuren fordern den Hörer. Die Gesetze der Logik sind nämlich über weite Strecken außer Kraft gesetzt. Schwitzke nennt das „komplizierte“ Stück dann auch „sprunghafte Tigergeschichte“. Piontek spricht von einem „metarealistischen Funkstück“ und erläutert die „märchenhafte“ Konstellation: Wenn Jussuf die Gestalt irgendeines Menschen annimmt, muss dieser dafür Tiger werden.
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Die 1985 vom SDR produzierte Neuinszenierung des „Tiger Jussuf“ basiert auf der wenig bekannt gewordenen Neufassung, die Günter Eich 1959 – also sieben Jahre nach der Ursendung – vorgenommen hat.
In diesem gleichzeitig phantastischen und doch logisch konsequenten Verwandlungsspiel bleibt ein Phänomen konstant: Die Beziehung zwischen Mann und Frau erweist sich als eine Konstellation von Macht und Ohnmacht, Unterdrückung und Ausgeliefertsein, Fressen oder Gefressenwerden. Seien es nun der Bäcker Richard und seine despotische Frau Paula, der Kommerziennat Rimböck und seine verhärmte Ottilie, oder Max, der ebenso Kommerzienrats- wie Bäckerssohn sein kann, und die geldgierige Kunstreiterin Anita – die Identitäten in diesem bestialisch-menschlichen Spiel sind austauschbar. So wird Jussuf, der ausgebrochene Zirkustiger, der Menschen zerreißt oder sich zum Manschen verwandelt, zum Symbol für die verborgene, dunkle Seite aller Figuren in diesem ganz alltäglichen Ausbeutungszirkus.
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Inhaltsangabe:
Ein entsprungener Zirkustiger erzählt in Günter Eichs Hörspiel von seinen Wandlungen unter den Menschen. Er befindet sich in tiefem Zweifel über die eigene Identität, da er doch jedesmal die Natur derer annahm, die er fraß oder in die er sich magisch hineinversetzte. Nicht genug damit, wird seine Krise noch verschärft durch diverse Eigenschaften der Menschen: Die Bestie spricht gleichzeitig aus verschiedenen Mündern, und so herrscht an Irrungen und Wirrungen kein Mangel. Wo am Ende der Tiger geblieben ist, muß jeder Hörer für sich selbst entscheiden.

Heinz Piontek schrieb über Eichs Hörspiel u.a.:
„Verwirrung! Sie ist notwendig, sie soll diejenigen treffen, deren Denken sich eingleisig bewegt, deren Rechnungen immer glatt aufgehen und für die das Leben keine Geheimnisse hat. Jussuf führt uns das Rätselhafte der Existenz wieder vor Augen, die Fragwürdigkeit der Identität…“
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Produktionen:

Erste Fassung
1952 – Der Tiger Jussuf (I) (Entstanden 1952) NWDR 1952, Ursendung 15. 8. 1952, Regie: Kurt Reiss, Musik: Siegfried Franz. Mit Siegfried Wischnewski, Gisela Trowe, Wolfgang Wahl, Max Walter Sieg, u.a.
1952 – Der Tiger Jussuf (I) (Entstanden 1952) SDR 1952, Ursendung 12. 10. 1952, Regie: Walter Knaus. Mit Hans Mahnke, Claus Hofer, Lucy Valenta, Hans Simshäuser, u.a.
1953 – Der Tiger Jussuf (I) (Entstanden 1952) HR 1953, Ursendung 3. 3. 1953, Regie: Irmfried Wilimzig. Mit Bernhard Minetti, Arno Assmann, Lola Müthel, Heinz Schimmelpfennig, u.a.

Zweite Fassung
1962 – Der Tiger Jussuf (II)(Entstanden 1959) BR 1962, Ursendung 20. 3. 1962 Otto Kurth (Neufassung – 17.11. bis 11.12.1958 und 2.1. bis 21.1.1959 geschrieben). Mit Hanns Ernst Jäger, Wolfgang Büttner, Margarete Carl, Max Mairich, u.a.
1967 – Der Tiger Jussuf (II)(Entstanden 1959) ORF – Wien 1967, Ursendung 21. 1. 1967, Regie: Hilde Schwanda. Musik: Otto Walter. Mit Guido Wieland, Ernst Meister, Erika Pluhar, Oskar Wegrostek, Lilli Stepanek, u.a.
1981 – Kontokorrent (eine Szene aus Der Tiger Jussuf (II))(Entstanden 1959) DRS 1981 Rainer zur Linde (Vielleicht nur diese eine Szene? Oder existiert auch eine Produktion des ganzen Stücks?)
1985 – Der Tiger Jussuf (II)(Entstanden 1959) SDR 1962, Ursendung 10. 2. 1985, Regie: Otto Düben. Musik: Friedrich Scholz. Mit Wolfgang Reichmann, Lambert Hamel, Cornelia Froboess, Horst Bollmann, Eva Ingeborg Scholz, u.a.

Die Mädchen aus Viterbo (Děvčata z Viterba, 1959)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 14:49

Günter Eich. Režie Fränze Roloff.

Osoby a obsazení: Robert Goldschmidt / Bottari (Eduard Wandrey), Gabriele Goldschmidt / Antonia (Maria Magdalena Thiesing), Giraldi (Alwin Michael Rueffer), Emilio (Peter Fricke), paní Winterová (Liselotte Bettin), Luzia (Karin Fränkel), Lena (Giselle Vesco), Maria (Tina Kohl), Bianca (Andrea Gabriel), Angelika Bottari (Charlotte Joeres).

Natočeno 1959 (HR/SDR). Premiéra 8. 6. 1959. K poslechu zde.

Pozn.: Udělena Schleußner-Schiller-Preis des HR.

Alternativní název: Dívky z Viterba.

Lit.: Eich, Günther: Das Mädchen aus Viterbo. Stuttgart: Reclam, 2006 (?) (text hry).

Pozn.: Günter Eichs „Die Mädchen aus Viterbo“ ist eines der unvergänglichen Hörspiele der fünfziger Jahre. Eine in einer Berliner Wohnung versteckte siebzehnjährige Jüdin und ihr Großvater phantasieren sich in die Illustriertenstory von einer in den römischen Katakomben verirrten Mädchenschulklasse hinein, um sich ihrer selbst, ihrer gefährdeten Situation und ihrer Existenz gegenüber Gott bewusst zu werden: Menschen, die gefangen sind. »Dass alles Geschriebene sich der Theologie nähert«, hatte Eich gefordert – dieser Text löst die Forderung ein. (anotace)

Die Mädchen aus Viterbo (Děvčata z Viterba, 1952)

Filed under: Cizojazyčné,Rozhlasové hry — Přemek @ 14:42

Günther Eich. Původní rozhlasová hra. Dramaturg Lothar Timm. Režie Karl Peter Biltz.

Osoby a obsazení: Oldenburg (Kurt Ebbinghaus), Gabriele (Dagmar Altrichter), paní Winterová (Cläre Ruegg), Bottari (Wolfgang Golisch), Angelika Bottariová (Otti Schütz), Geraldi (Jürgen Goslar), Emilio (Freddy Klaus), Antonia (Ingeborg Haarer), Luzia (Gudula Kownatzki), Lena (Gudrun Gewecke), Maria (Ruth Zimmermann), Bianca (Karin Mommsen), Margarita (Eva Martin), Clara (Urselmonika Werthner).

Nastudoval SWF/BR/RB v roce 1952. Premiéra 10. 3. 1953 (63 min.). Repríza 21. 1. 2007 (SWR 2, 18.20 h.). K poslechu zde.

Lit.: Eich, Günther: Das Mädchen aus Viterbo. Stuttgart: Reclam, 2006 (?) (text hry).

Pozn.: Günter Eichs „Die Mädchen aus Viterbo“ ist eines der unvergänglichen Hörspiele der fünfziger Jahre. Eine in einer Berliner Wohnung versteckte siebzehnjährige Jüdin und ihr Großvater phantasieren sich in die Illustriertenstory von einer in den römischen Katakomben verirrten Mädchenschulklasse hinein, um sich ihrer selbst, ihrer gefährdeten Situation und ihrer Existenz gegenüber Gott bewusst zu werden: Menschen, die gefangen sind. »Dass alles Geschriebene sich der Theologie nähert«, hatte Eich gefordert – dieser Text löst die Forderung ein. (anotace)

Alternativní název: Dívky z Viterba.

Lit.: anonym: Die Mädchen aus Viterbo. In web HörDat, b.d. (anotace). – Cit.: „Sehr stark beeindruckt“ sei er von Günter Eichs Hörspieltext, so schrieb der damalige Dramaturg des SWF an den Autor, als er das Manuskript „Die Mädchen aus Viterbo“ gelesen hatte. Er habe sich nur schwer vorstellen können, „dass Sie eine kontrapunktische Handlung zu dem Geschehen in den Katakomben finden werden.“ Kunst- und spannungsvoll ist Günter Eich die Verwebung zweier Handlungsstränge gelungen, von denen einer imaginiert wird. Ein Großvater hält sich mit seiner Enkelin seit Jahren im Berlin Hitlerdeutschlands versteckt. Sie müssen mit dem Schlimmsten rechnen, ihrer Entdeckung. Angeregt durch eine Zeitungsnotiz spielen die beiden im Kopf die Situation einer Schulgruppe durch, die sich in den römischen Katakomben verirrt hat und auf Entdeckung hofft. Was passiert innerhalb der Gruppe, die sich in Dunkelheit und Stille eingeschlossen findet und ausharren muss, ohne warme Kleidung, ohne Essen? Gibt es Hoffnung auf Rettung oder ist ihre Situation aussichtslos?

Günter Eich, 1. 2. 1907 Lebus a. d. O. – 20. 12. 1972 Salzburg.
Der Sohn eines Guts- und Ziegeleipächters zog mit seiner Familie 1918 aus dem Oderbruch nach Berlin. Nach dem Abitur studierte er von 1925 an in Berlin und Paris Sinologie und Volkswirtschaft. 1932 gab er das Studium auf und schrieb als freier Schriftsteller für den Rundfunk, darunter zahlreiche Hörspiele nach literarischen Vorlagen. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat (Funker bei der Luftabwehr), geriet bei Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft und wohnte nach der baldigen Entlassung bis 1954 in Geisenhausen bei Landshut. Danach lebte er, seit 1953 in zweiter Ehe mit I. Aichinger verheiratet, zunächst in Lenggries (Oberbayern), dann in Groß-Gmain bei Salzburg. E. gehörte zu den Gründungsmitgliedern der »Gruppe 47« und erhielt als erster 1950 den Preis der Gruppe; 1959 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt. E. begann Ende der 20er-Jahre nach eigener Aussage als »verspäteter Expressionist und Naturlyriker«; auch seine frühen Hörspiele – bis 1939 entstanden etwa 25 – haben einen unpolitischen Charakter. Mit den in Gefangenschaft entstandenen Gedichten wie
Lazarett, Latrine, Pfannkuchenrezept oder Inventur, die die so genannte ›Kahlschlag‹-Poesie begründeten, setzte eine neue Phase seines Schaffens ein. Allerdings enthält seine erste Gedichtsammlung der Nachkriegszeit (Abgelegene Gehöfte) noch zahlreiche Gedichte der traditionellen, ›naturmagischen‹ Art. Natur und Naturbilder bleiben auch später ein wesentliches Moment der Lyrik E.s, aber in einer anderen, kritischen Funktion, ohne Trost, abweisend. Mit dem Band Botschaften des Regens setzt eine Hinwendung zur zeitgeschichtlichen Realität ein. Dichtung müsse, so heißt es in der Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises, als Kritik, »als Gegnerschaft und Widerstand, als unbequeme Frage und Herausforderung der Macht« verstanden werden, und Macht ist für E. »eine Institution des Bösen«. Die späten Gedichtsammlungen ziehen mit ihrem zunehmenden Lakonismus die Konsequenzen aus E.s Position des grundsätzlichen »Nichtmehreinverstandenseins«, wobei die Verweigerungshaltung die Tendenz zum Verstummen in sich trägt. Während E. als Lyriker immer mehr den Weg der Reduktion ging und sich so gegen das Einverständnis zur Wehr setzte, schuf er sich mit der kleinen Prosaform der »Maulwürfe« ein Instrument der Kritik, um die gelenkte, harmonisierende Sprache der Macht zu unterminieren. Zunehmende Radikalisierung charakterisiert auch E.s Hörspielwerk. Mit Texten wie Träume, Blick auf Venedig, Die Mädchen aus Viterbo oder Festianus, Märtyrer wurde E. in den 50er-Jahren zum bedeutendsten Repräsentanten des literarischen Hörspiels. Es sind poetische Texte, die verunsichern, die hinter der empirischen Realität eine neue, ungeahnte Wirklichkeit andeuten und den Zuhörer zur Wachsamkeit und zum Misstrauen gegen die scheinbar sichere Gegenwart auffordern. Bereits in Träume bahnt sich die Verweigerungshaltung an, die seine späteren Gedichte, die Kurzprosa und die letzten Hörspiele kennzeichnet.

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